4 mal 2 Wochen Probearbeiten: Einige Fallbeispiele

„Aus verständlichen Gründen sind bei allen Fallbeispielen persönliche Daten verändert, Orte, Schauplätze und Beteiligte werden nicht namentlich genannt. Fakt ist aber: Alle hier aufgeführten Fälle sind authentisch und stammen aus meiner Berufstätigkeit. All diese Menschen wurden von mir betreut, beraten und getröstet. Aber: Lesen Sie selbst:

Die Odyssee eines Helfers in der Landwirtschaft

Wer nicht gut lesen und gar nicht schreiben kann, der hat es besonders schwer auf dem Arbeitsmarkt. Im landwirtschaftlichen Bereich weniger, denkt man zuerst. Dass diese Mankos allerdings andere Menschen dazu veranlassen zu denken, mit dem könne man alles nur erdenklich Üble machen, zeigt der folgende Fall: Nicht lesen können bedeutet nicht in den Jobbörsen recherchieren können. Hier war Hilfe gefragt und ich suchte, las und druckte. Dem Bewerber las ich alles vor und er telefonierte sofort mit den jeweiligen Stellenanbietern. Nach vier Stunden – ein Aufschrei! „Ja, es hat geklappt! Bei diesem Milchbauern kann ich gleich kommende Woche zur Probe arbeiten.“ Als erforderlich sah der Arbeitgeber eine Zeitraum von zwei Wochen an.

Vierzehn Tage später kehrte der Bewerber mit hängenden Schultern enttäuscht wieder in der Beratung auf. „Hat nicht geklappt. Ich weiß nicht warum? Und: Danke hat auch niemand zu mir gesagt.“

Trübsal sollte dennoch nicht geblasen werden. Aus diesem Grunde begann das gleiche Spiel wieder von vorn. Recherchieren, Ausdrucken, Telefonieren bis zum Treffer Probearbeiten. Wieder 14 Tage und wieder beim Milchbauern.

Dieses Mal hatte der Bewerber aber nichts mit Tieren zu tun. Handfesteres war seine Aufgabe. Insgesamt 14 Tage lang hackte er Holz. Über acht Stunden jeden Tag. Nach 14 Tagen gab es wieder kein „Danke schön“ oder irgendeine Information, die ihm hätte weiter helfen können.

Sicherlich können Sie sich den Rest schon denken. Wieder war es nur Ausnutzung. Dieses Mal, weil gerade der Hofarbeiter krank war.

Insgesamt gingen sieben Probearbeitsaktionen ind Land bis mein Mann einen echten Arbeitsvertrag in Händen hielt. Der Jubel war riesig, die Freude groß und meine Erleichterung kannte keine Grenzen. Geschafft, endlich! Als Dank schenkte der Bewerber mir ein Pfund Kaffee. Das liegt heute noch im Büro, denn damals war ich so misstrauisch, dass ich nicht komplett an einen Erfolg glauben konnte. „Das Geschenk steht mir nicht zu“, dachte ich. Und: Das dicke Ende kommt tatsächlich noch.

Nach drei Wochen wurde der neue Mitarbeiter vom Arbeitgeber (Pferdezüchter) zu einem Gespräch befohlen. Der Lehrling sei ja nun aus dem Urlaub zurück und damit sei nun alles etwas anders. Selbstverständlich könne mein Mann trotzdem weiter arbeiten, allerdings nicht zu dem im Arbeitsvertrag festgelegten Lohn. Der Arbeitsvertrag sei ohnehin gekündigt – innerhalb der Probezeit, versteht sich. Angeboten wurden meinem Mann 400 EURO für einen Vollzeitjob beim Pferdebauern.

Der Arbeitgeber blickte erstaunt hinterher, als sein urplötzlich ehemaliger Mitarbeiter kopfschüttelnd mit Vollgas vom Hof fuhr. Sein Weg führte ihn direkt zum Arbeitsamt…

Fünf lange Monate später fand er seinen Traumjob im Obstanbau. Nun sorgt mein Bewerber für frische leckere Äpfel und weiß endlich, dass nicht alle Arbeitgeber so schlechte Menschen sind wie die, mit denen er bedauerlicherweise Bekanntschaft gemacht hatte.

 

Kleine Kinder? Die lange Suche einer jungen Mutter

„Hallo! Mein Name ist XY und ich suche eine Teilzeitstelle im Büro. Arbeiten kann ich nur von 8 bis 14 Uhr. Dann muss ich meine Kinder abholen. Die sind noch klein.“

Die junge Frau, die dies im Erstgespräch erzählte, machte einen unheimlich souveränen Eindruck. Dennoch hatten wir beide ein ziemlich ungutes Gefühl bezüglich ihrer Jobchancen. Derartig zeitlich eingeschränkt und dann noch mit der Möglichkeit von Kinderkrankheiten gesegnet, rechneten wir uns nur recht geringe Chancen für sie aus.

Nachdem alle Bewerbungsunterlagen professionalisiert wurden begann die Stellensuche im Raum Hamburg. Schnell wurden wir fündig und feilten an den unterschiedlichen Anschreiben. Als Bürokauffrau aber auch als Verkäuferin und im Call-Center hatte sie bereits gearbeitet und solide Berufserfahrungen aus ihrer kinderlosen Zeit.

Ziemlich schnell setzte der Absagen-Hagel bei ihr ein. „Nein, leider passt es nicht. Wir haben uns bereits im Vorfeld für eine andere Kandidatin entschieden..“ So oder so ähnlich lauteten die leidenschaftslosen Texte, die keinerlei Trost spenden konnten. Um den Leseren der Bewerbung Zeit zu ersparen, war bereits in der Betreffzeile zu lesen, dass die Dame nur von 8-14 Uhr arbeiten konnte. Ihr blieb nichts anderes übrig, nicht nur auf Klasse sondern auch auf Masse zu setzen.

Im Übrigen telefonierte sie alle Unternehmen ab, die unter den Stichwort Büro bei Google-Maps auftauchten. Insgesamt lag die Stückzahl ihrer Bewerbungen weit über den üblichen Durchschnitt meiner bisherigen Kandidaten, die meist nur drei oder vier Bewerbungen pro Beratungstag fertigten. Sie kamen also auf vielleicht zehn pro Woche. Die junge Frau klapperte aber zusätzlich persönlich noch Unternehmen ab, die in den Innenstädten fußläufig gut zu erreichen waren. Die Kontaktanzahl lag bei ihr ungefähr bei 20 Betrieben pro Woche.

Nach sechs Wochen landete sie endlich den heiß begehrten Treffer: Ein Kaufhaus brauchte dringend Verstärkung, erfuhr sie bei einem Besuch vor Ort. „Aber, eines muss ich Ihnen von vornherein sagen. Vollzeit ist bei uns nicht möglich. Wir suchen jemanden nur für die Zeit von 8 bis 14 Uhr.“

Meine Kandidatin muss wohl sehr fröhlich reagiert haben. Der Arbeitsvertrag wurde gleich am Folgetag abgeschlossen…

 

Mogelpackung: Betrug mit angebotener Festanstellung

Auch wenn dieser Fall im Kapitel „Checkliste für Stellenanzeigen“ bereits erwähnt wurde, serviere ich Ihnen diese Geschichte hier nochmal, weil sie so gemein und vielleicht weit verbreitet ist.

Es handelt es sich um eine Kauffrau für Bürokommunikation, die enorme familiäre und finanzielle Probleme hat: Sie lebt in Scheidung und musste die Abzahlung der Hypothek stoppen. Dass da die Bank großen Ärger macht, können Sie sich denken. Dies erfahren Sie nur um die hohe Motivation und den innigsten Wunsch der Dame auf propper bezahlte Arbeit zu verstehen.

Eines Tages findet sie ein Stellenangebot eines international tätigen Versicherungs- und Finanzdienstleisters. Die Freude ist groß: „Herr Felske! Hier! Die suchen für eine Filialneueröffnung im Stadtteil XXX eine zuverlässige und erfahrene Bürokraft mit Vertriebserfahrung. Da muss ich mich unbedingt bewerben! Außerdem ist das gleich bei mir um die Ecke.“ Sie fackelt nicht lange. Kaum nuckelt der USB-Stick im Schacht des Rechners, beginnt sie schon zu schreiben. Ihr Musteranschreiben ist im Handumdrehen auf die großformatige Stellenanzeige zugeschnitten. Nur noch schnell das E-Mail-Postfach aufrufen, Bewerbungsmappe und Anschreiben als pdf-Dokument hochladen, kurzen Mailtaxt schreiben und Sendeknopf drücken – Basta. Für den Rest des Bewerbertages war sie überglücklich, denn ihre Qualifikationen sind erstaunlich.

Am nächsten Tag flatterte die Einladung ins Postfach. Sie rief mich gleich an: „Sie können sich gar nicht vorstellen wie froh ich bin. Übermorgen ist das Gespräch. Ich gebe mein Bestes“, versprach sie mir. Das Gespräch verlief ihrem Gefühl zufolge prima. Telefonische Benachrichtigung über das Ergebnis wurde zugesichert. „Das ist wirklich genau der Job für mich. Ein bisschen Excel, ein wenig Präsentationen vorbereiten und viele Gespräche mit Menschen führen. Und 2000€ brutto verdiene ich. Das sind vierhundert mehr, als in meinem letzten Job“, fasste sie die im Gespräch erwähnten Anforderungen und Informationen zusammen. Dass sie das konnte, wusste ich ganz sicher. Dass sie 2000 € klasse findet, war mir auch klar.

Instinktive Skepsis überkam erst, als ich erfuhr wie das Thema Kinder behandelt wurde: „Mein Sohn ist ja schon volljährig, habe ich erzählt, Dass ich auf den nicht mehr aufpassen muss wie die andere Bewerberin auf ihr Kindergartenkind, war meinem Gesprächspartner klar. Im Gegenteil: Er fragte genau nach, was mein Sohn denn beruflich macht und ob er schon einen Führerschein hat. Das und einiges mehr wollte er wissen.“

O.K.: Ich wusste, das sie mit einem Finanzdienstleister gesprochen hatte. Ich ahnte, dass dieser lediglich heraus bekommen wollte, ob der Filius vielleicht eine Berufsunfähigkeitsversicherung, eine Kfz-Haftpflicht oder gar einen vermögensbildenen Lebensversicherungsvertrag haben sollte. Am besten selbstverständlich von diesem Unternehmen.

Dass Finanzdienstleister und Versicherungsagenten nur so, nur in Vertragsabschlüssen denken, das habe ich mit der Muttermilch aufgesogen, denn mein Daddy war genau in diesem Bereich lange Jahre tätig.

Meiner Kandidatin gegenüber schwieg ich allerdings, denn ich wollte ihr auf keinen Fall Motivation und Vorfreude verderben. Außerdem ging es im Vorstellungsgespräch nach ihrer Auskunft wirklich nur um eine reine Bürotätigkeit.

Zwei Tage später kam der ersehnte Anruf und ich wurde auch sofort benachrichtigt: „Ich bin zum zweiten Gespräch eingeladen. Die sind sehr an mir interessiert und möchten nun die weiteren Details mit mir besprechen. Gleich morgen früh um 10 Uhr“, freute sich die Kandidatin riesig. Wie Sie sich bereits denken können, geht diese Geschichte natürlich nicht gut aus.

Das spürte die Bewerberin sofort, denn es saßen bereits zwei weitere Kandidatinnen im Raum, als sie ihn betrat. Aus 40 Bewerberinnen habe man die drei Damen ausgewählt. Viel Wert sei dabei auf die entsprechende Kommunikationsfreudigkeit gelegt worden. Im Einzelnen stellten sich im Verlauf des Gruppengesprächs Sachverhalte heraus, die keineswegs für Beifall sorgten:

Nur in der Probephase sollte die tägliche Arbeitszeit auf 9 bis 16 Uhr festgeschrieben sein. Es handle sich auch nicht um reine Bürotätigkeit. Nach der Probezeit müsste jede neue Mitarbeiterin, und dabei wurde auch bemerkt, dass alle drei eingestellt werden könnten, auch am frühen Abend Kunden zu hause aufsuchen und sogenannte Interviews machen. Dabei handle es sich um eine klärende Beratung und Aufnahme der genauen finanziellen Situation der jeweiligen Kunden. Diese diene dann dem eigentlichen Außendienst als Anhaltspunkt für weiterführende Maßnahmen.

Im Klartext: Der Außendienst schreibt Aufträge, verdient das Geld und die Damen schauen zu. Ja, das mit den 2000 € brutto Festgehalt, das sei eine ganz spezielle Angelegenheit. Darüber wurde dann genauer gesprochen: Pro Interview gebe es eine Prämie und wenn monatlich sechs oder sieben geführt würden, dann kämen die Damen auf diese Summe. Nur dann!

„Nach und nach rückte der damit heraus, das es sich überhaupt nicht um eine Festanstellung handelt. Und der Verdienst ist gar nicht fest. Das war einfach nur gelogen. Ich habe die Stellenanzeige bei der Bundesagentur für Arbeit gelesen. Das ist doch Betrug“, schimpfte die Dame zurecht. Wenn nicht gearbeitet wird, dann gibt es bei diesem Unternehmen kein Geld. Auch kein Fixum von ein paar hundert Euro für Miete und Festkosten. Meine Bewerberin wünscht sich in einem ihrer Lebensbereiche Ruhe und Sicherheit. Und die hätte sie mit diesem Job niemals erhalten. Sie rief an und sagte nach dem zweiten Vorstellungsgespräch ab…

 

Wenn der Strukturvertrieb wieder mal kräftig zubeißt

„Kräftige Unterstützung im Büro gesucht! Gerne auch Teilzeit“, lautete die Stellenanzeige, auf die eine Bewerberin reagierte, die nebenbei noch einen Pflegeauftrag übernommen hatte.

„Einen Job in Teilzeit, das ist genau das Richtige für mich. Deshalb habe ich da angerufen“, erzählte sie. Prompt kam es zum Vorstellungsgespräch. Das Unternehmen vertreibt sogenannte Wellnessprodukte, die über Netzwerke an den Mann gebracht werden. So hieß es. Gemeint war damit aber, dass die Bewerberin – ähnlich wie im vorigen Fall – keineswegs im Büro zu arbeiten hatt.

Ihr Job wäre es gewesen alle Bekannten, Nachbarn und Freunde mit den Produkten der Firma zu beglücken und mit so erzielten Provisionen ihr Einkommen zu erzielen. „Im Verlauf des Gesprächs habe ich das begriffen und gesagt, dass ich kein Interesse habe“, versicherte sie.

Daraufhin verging kein Tag, an dem sie nicht vom Firmenvertreter angerufen, nochmals eingeladen oder mit Versprechungen überhäuft wurde. „Am Sonntag früh um zehn Uhr rief er mich das letzte Mal an und rasselte sein Telefonmarketing an mir herunter. Erst als ich drohte, die Polizei einzuschalten, ließ er von mir und seinem Vorhaben, mich als neues Mitgleid in sein Netzwerk einzuspannen ab. Seit dem habe ich nie wieder etwas von ihm persönlich gehört“, erzählte die Bewerberin.

Das Unternehmen schaltet weiter Anzeigen und sucht eifrig nach kompetenten Mitarbeiterinnen im „Büro.“

 

Unverhofft oft? Materialschlacht eines Verkaufstalents

„Herr Felske! Ich brauche vier Bewerbungsmappen, Umschläge und Porto. Ach so: Können Sie mir beim Anschreiben noch einmal ein bisschen helfen?“

Der Mann der fragt, ist 22 Jahre alt, südländischer Herkunft, rhetorisch ein absoluter Vollprofi und gelernter Einzelhandelskaufmann.

Über einen Zeitraum von insgesamt vier Monaten bewarb er sich auf alle Stellenanzeigen, die er entdecken konnte. Bergeweise trug er DIN A4-Umschläge zur Post, fertigte E-Mail-Bewerbungen als Verkäufer, Einzelhandelskaufmann und auch als Kassierer. Von den Kosten möchte ich hier überhaupt nicht reden. Alle Bemühungen blieben ohne Erfolg.

Na ja: Vorstellungstermine gab es viele. Aber in eigentlich allen Fällen entsprach die angebotene Entlohnung nicht oder oft auch überhaupt nicht seinen Vorstellungen. Schließlich wusste er, was er sich wert ist. In der letzten Woche des vierten Monats fand ich eine kleine Stellenanzeige eines Fernseh- und Telekommunikationsanbieters, der jemanden für einen Shop suchte.

Klein und unscheinbar war die Anzeige: „…Terminvereinbarung unter Telefon 0xxxx xxxxx erbeten.“ Ein Anruf (eine telefonische Bewerbung), ein Vorstellungstermin und einen Tag später hielt er überglücklich seinen Arbeitsvertrag in den Händen…

 

Tiefgedruckt – Frust und Lust eines Handwerkers

„Mein Beruf ist heutzutage so überflüssig wie der des Kesselflickers. Ich bin Tiefdrucker!“ Nach allen Krisen und Insolvenzen von Großunternehmen wie beispielsweise Quelle und Tendenzen zum Kauf im Internet hat die Tiefdruckbranche sehr gelitten.

Kataloge werden in diesem Verfahren hergestellt und wenn keine Kataloge mehr gebraucht werden, fallen die Hersteller durch das Sieb des Schicksals.

Mein Handwerker hatte wochenlang überhaupt keine Ahnung, wo er sich überhaupt bewerben kann. Schwierig, weil die Bundesagentur für Arbeit immer wieder auch Bewerbungen in gewissen Stückzahlen von ihm forderte.

Nach vielen Überlegungen kam ihm die Idee, als Maschinen- und Anlagenführer zu arbeiten. Schließlich waren seine Druckmaschinen ja auch gigantisch groß (60m lang) und musste gewartet werden. Aber auch hier trotzte ihm der Arbeitsmarkt und Recherchen spuckten nicht wirklich viele Stellenangebot aus.

Bewerbungen wurden gefertigt, aber ich spürte doch die Halbherzigkeit, mit der mein Mann darauf zu ging. „Wozu habe ich meinen Beruf denn gelernt. Ich will am Liebsten wieder als Tiefdrucker arbeiten“, meinte der 25jährige.

Erneute Stellenrecherchen ergaben einige Jobs in Süddeutschland, aber ein Umzug deswegen scheide aus, versicherte er. Was blieb über viele Wochen, war Frust im Quadrat. Wieder und wieder und immer wieder recherchieren ohne Ergebnis, das hielt er mental nicht besonders gut aus. Die neue Idee war dann die Bewerbung als Offset-Drucker, vielleicht mit dem Angebot, ein Praktikum zu absolvieren. Aber diese Idee sorgte nur für Ansagen.

Nach vier Monaten erschienen plötzlich drei Stellenangebote als Tiefdrucker im norddeutschen Raum im Internet. Mein Mann wurde richtig aufgeregt. Er verfasste im Schnelldurchlauf drei schriftliche Bewerbungen und prompt klingelte am kommenden Tag sein Handy drei Mal. Zeitarbeitsfirmen waren am anderen Ende der Leitung und boten ihm zwischen 11 und 14 EURO Stundenlohn für den angepriesenen Job.

Nach einigen Telefonaten stellte sich heraus, dass es sich bei allen drei Stellenangeboten immer um die gleiche Stelle im gleichen Unternehmen handelte. Hier war stringentes Verhandeln angesagt.

Ein Vorstellungstermin im Tiefdruckunternehmen brachte die Aussage: „Wir möchten Sie haben!“ Nach verhandelt wurde der Preis. Mein Bewerber einigete sich mit den Beteiligten auf 14 EURO Stundenlohn zuzüglich Zulagen, die ihn nah an seinen ehemaligen Tariflohn von 19 EURO brachte. Nun arbeitet er wieder in seinem Traumjob…

 

Dick im Geschäft? Figur und Jobsuche im Außendienst

Ein wahrer Rhetorikgott stellte sich mir vor und erklärte, er sei mit Leib und Seele Verkäufer. Genau genommen musste ich bei dieser Formulierung schmun- zeln, denn der kleine Mann hatte sicherlich 30 kg mehr auf den Rippen als ich. Und ich bin fast zwei Meter groß!

So so, mit Leib und Seele. Das klang viel versprechend und mein Kandidat kam auf den Prüfstand. Nach Fertigstellung der Bewerbungsunterlagen begann der Bewerbungsprozess mit intensiver Recherche und vielen, vielen Onlinebewerbungen. Die Unterlagen hatten Klasse – ein Problem sah ich nur im Foto.

Einladungen zum Vorstellungsgespräch gab es nicht wirklich viele und die zwei oder drei es gab, führten nicht zum gewünschten Ergebnis.

Der Mann strahlte eine Warmherzigkeit aus, die er einzigartig mit außergewöhnlichen und vorzüglichen kommunikativen Fähigkeiten verknüpfen konnte, dass mir völlig klar war, warum er im Verkauf bereits sehr erfolgreich war.

Eines Tages im Verlauf eines Vorstellungsgesprächstrainings wurde mir klar, dass wir mit seinen Unterlagen eigentlich alles ändern müssen.

Das bisherige Anschreiben war nach allen Regeln der Kunst gestaltet und formuliert. Allerdings eben so wie es zahlreiche andere auf ihre Person gemünzt vielleicht auch haben.

Mein Mann war außergewöhnlich und diese Tatsache musste sich im Anschreiben widerspiegeln. Auch war es unbedingt erforderlich, dass er sein rhetorisches Talent im Vorstellungsgespräch präsentieren konnte.

Gemeinsam mit einer Kollegin berieten wir und kamen zu einem außergewöhnlichen Resultat. Das Anschreiben wurde völlig gekürzt.

Im Grund genommen bestand es nur noch aus den Formulierungen: „Verkaufstalent bietet Mitarbeit“ / „Profitieren Sie von meinem Geheimrezept“ / „Menschen kaufen bei mir, weil ich es bin“.

Das alles füllte nicht mehr als fünf Zeilen und klang gänzlich hochstaplerisch. Im Lebenslauf lauerten allerdings mehr als 20 Jahre Berufserfahrung, darunter 16 Jahre ohne Unterbrechung beim gleichen Unternehmen. Gemäß des Mottos „Wir haben nichts zu verlieren“ und „Frechheit siegt“ schickten wir das freche Anschreiben zugegeben mit einem leichten Grummeln in der Magengegend in die Welt hinaus.

Drei Wochen später unterschrieb mein Mann seinen Arbeitsvertrag als Außendienstmitarbeiter und nun ist er wieder dick im Geschäft…

 

Backstein-Opa: Mit 58 Jahren wieder auf dem Bau

„Wer um alles in der Welt soll mir denn noch einen Job geben? In meinem Alter! Mir bleibt doch nur noch die Rente!“

Der Mann, der diese Meinung vertrat, hatte ziemlich wenig Hoffung und sperrte sich ein wenig allen Vorschlägen, sich fit machen zu lassen für den Arbeitsmarkt. Insbesondere das Training für das Bewerbungsgespräch erschien ihm fragwürdig. Wen wundert´s, hatte er es in der Vergangenheit doch so erlebt: „Da bin ich auf die Baustelle gegangen und habe gefragt ob Hilfe gebraucht wird. Und wenn ja, dann hatte ich den Job. Da war nix mit Killerfragen im Vorstellungsgespräch und solchen Sachen!“

Ich konnte ihn überzeugen, die Trainings mitzumachen und nahm ihm so doch erheblich die anfängliche Skepsis. Nach einigen Wochen, die er u.a. mit freudlosen und irgendwie nicht wirklich ernst gemeinten Bewerbungen als ach so talentierter Hausmeister verbrachte, legte ich ihm nahe, es doch wieder auf dem Bau als Maurer zu versuchen. „Ja, ich weiß – Ihr Alter! Wir versuchen es trotzdem einmal. Sie wissen ja, wir haben nichts zu verlieren.“ Der Mann war damit einverstanden und wir legten los.

Die gesamten Bewerbungsunterlagen wurden dazu aufgehübscht: Als Bewerbungsfoto benötigten wir ein Bildnis, das den Mann, der nur noch recht wenig Haare hatte, mit einem jugendlichen frischen Outfit darstellte. So versuchten wir, das Geburtsdatum zu nivellieren oder wenigstens ein bisschen auszugleichen. Ferner erstellten wir im Lebenslauf unter jeder Arbeitsstelle, die er jemals ausgeübt hatte, eine kleines Qualitätsprofil mit den Fähigkeiten, die er drauf hatte.

Im Anschreiben zielten wir ausdrücklich auf außerordentliche fachliche Erfahrung, Arbeit im Team, selbstständiges Arbeiten und Mitarbeiterführung ab. So wurde seine Bewerbung auf völlig neue Füße gestellt.

Drei Wochen später unterschrieb er den Arbeitsvertrag…

 

Mit 63 auf dem Bock nach Norwegen?

„Alter heißt auch Erfahrung“ weiß nun ein LKW-Fahrer. „Sie können mir nicht helfen. Ich warte auf die Rente und das dauert nicht mehr lange. In meinem Alter lässt mich niemand mehr rauf auf den Bock“, vermutet ein 63jähriger Teilnehmer.

Nach umfangreichen Kommunikationstrainings und Übungen zum Vorstellungsgespräch, bei denen dieser Bewerber immer hoch konzentriert dabei war, bekam er auf seine Weise Spaß am Bewerbungsgeschäft.

Er spürte und brachte es auch zum Ausdruck, dass er mittels Kommunikation in Wort und Schrift in der Lage war, Menschen bestens zu informieren, ja durchaus auch zu steuern.

Eines Tages startete er einen Versuch bei einer Spedition. Im Grunde genommen lag zu dieser Zeit das Speditionsgeschäft deutlich am Boden: Ein Speditionskaufmann, über dessen Schicksal ich auf den weiteren Seiten noch informieren werde, musste weit über 100 Bewerbungen absenden, bevor sich einmal etwas Positives für ihn tat.

Mein Trucker bekam wegen seiner perfekten Bewerbungsunterlagen prompt eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Dort konnte er überzeugen.

Dieser Lkw-Fahrer war nun wirklich nicht akademisch besonders vorgebildet oder gar Absolvent eines kommunikationswissenschaftlichen Abendkurses.

Er beschrieb den Verlauf des Gesprächs aus seiner Sicht so: „Ja Herr Felske, das war vielleicht was. Ich habe das von Anfang an so ein bisschen mit Honig gemacht. So wie Sie gesagt haben.“

Ich war völlig baff. Honig hatte ich schon auf dem Frühstücksbrot, aber was hatte der Aufstrich im Vorstellungsgespräch verloren. Rasch fragte ich nach.

Die Antwort: “Na sofort habe ich erzählt warum ich genau bei dieser Spedition arbeiten will. Ich habe den Betrieb und seine Betätigungsfelder ausdrücklich gelobt und als eine perfekte Möglichkeit für mich bezeichnet meine bisherigen doch wegen der Anzahl der Berufsjahre enormen Erfahrungen erfolgreich einzubringen. Dann habe ich meine fachlichen Qualitäten genau erläutert. Insbesondere beeindruckt hatte die Dame, dass ich trotz der vielen Jahre auf dem Bock noch keinen Unfall und nur wenige Punkte in Flensburg auf den Zettel hatte. Die Punkte habe ich mir übrigens mit meinem Privatfahrzeug erfahren.“

Im Anschluss konnte der Bewerber mit menschlichen sozialen Kompetenzen überzeugen. Reaktion bei Stress, Umgang mit Kunden und vieles mehr servierte der Bewerber geschickt und treffsicher. „Alles Gute zu erzählen, das meine ich mit Honig“, erklärte er mir.

Zwei Wochen nach dem Vorstellungsgespräch lud er seine erste Ladung bei seinem Kunden in Norwegen ab. Mein Mann hatte den Job….

 

Familie oder Job? Die Kauffrau wird zur Tagesmutter

Viele Bewerbungen, jede Menge Vorstellungsgespräche, aber irgendwie war niemals das Richtige dabei.

Die 30jährige Frau hat ein 1jähriges Kind und unternimmt alles um eine liebevolle Unterbringung im kirchlichen Kindergarten zu gewährleisten. Das letzte Vorstellungsgespräch brachte Klarheit in ihre berufliche und vor allem auch in die private Situation: „Wir wollen Sie sehr gerne als neues Teammitglied in unserem Unternehmen begrüßen, hat der gesagt.

Die wollten mich tatsächlich einstellen. Ich erbat mir einen Tag Bedenkzeit. Dann habe ich abgesagt“, berichtet die Mutter.

Sie habe festgestellt, dass ihr die berufliche Karriere im Moment überhaupt nicht so wichtig sei. Der Lebenspartner verdiene ausreichend Geld für den Unterhalt der Familie. Sie planen ein weiteres Kind und sie möchte überhaupt nicht arbeiten. Jedenfalls nicht als Bürokauffrau. Gemeinsam mit einer Freundin plant die Dame nun die Errichtung einer Tagesgroßpflegestelle im Tagesmuttermodell. So sehe sie ihre privaten Interessen im Einklang mit beruflichen. Und auf dann vielleicht zwei Kinder könne sie dann selbst aufpassen. Ich wünschte nur noch viel Erfolg…

 

Keine Ahnung? Wie einer herausfand was er machen wollte

Nach langer Zeit traf ich einen ehemaligen Teilnehmer meiner Veranstaltungen wieder. Er berichtete von seiner wie ich finde interessanten Weiterentwicklung: „Den Job im Lager über die Zeitarbeitsfirma zur Weihnachtszeit habe ich überhaupt nur angenommen, weil ich überhaupt keinen Bock mehr hatte, zu hause mein Sofa platt zu sitzen.

Das mit dem Geld hat zu keiner Zeit gestimmt und als ich umgeknickt und mit den Fuß verknackst hatte, wurde ich sofort gekündigt. Ich konnte nicht mehr laufen. Das war meine Chance herauszufinden, was ich wirklich beruflich machen wollte“, berichtet ein junger Mann.

Danach habe er sich in seiner Wohnung eingeschlossen. Für eine Woche. Die Fenster wurden verdunkelt und er schrieb seine Ziele auf ein Blatt Papier. Irgendwas mit Waffen kam für ihn in Frage, weil er Freude am Umgang mit Waffen hat. Er war auch im Schützenverein. Weiter schrieb er auf, dass er beruflich etwas mit Japan zu tun haben möchte. Gesundheit klären war ein weiterer Punkt. Auto fahren und Zug fahren auch und ganz oben schrieb er Sicherheitsdienst hin. Das alles aufzuschreiben ging ihm nicht leicht von der Hand – es dauerte einige Tage, bis seine Liste komplett war. „Doch wie kann ich daraus einen Job basteln, war die große Frage für mich. Spontan fiel mir ein, als Verkäufer und Berater in Waffengeschäften zu arbeiten.

Nach einer kurzen Telefonaktion im Großraum Hamburg war mir klar, dass ich dies von meiner Liste streichen kann. Das wichtige Thema war meine Gesundheit. Im Verbund mit meinem Interesse für Asien und Japan kam ich auf Reiki und Kampfsport.“

Nach der Genesung des Fußes meldete er sich bei entsprechenden Gruppen an. Mittlerweile ist er weit fortgeschritten. Durch dieses Kontaktfeld kam der junge Mann in Berührung mit einer Religion, der er nun angehört. Er ist Buddhist. „Nachdem ich das Buch über Buddha zweimal gelesen hatte, wusste ich: Das ist auch mein Weg.“ Von der Liste streichen konnte er den Waffenhändler. Was blieb, war das pure Interesse für Waffen als solche. Daraus und Neigung für Sicherheitsdienste und Zugfahren schnitzte er eine Bewerbung als Security-Mitarbeiter der Deutschen Bahn. Weiterhin brachte er die Vorliebe für das Autofahren in Übereinstimmung mit Kampfsport, Waffen und Sicherheitsdienst: Heraus kam eine Ausbildung als Chauffeur. Die lief über eine Akademie, die Teilnehmer auch weiter vermittelt.

Nun gibt es einen Buddhisten, der Menschen gerne sicher befördert…

 

25 und ohne Ausbildung? Beharrlich Absagen überstehen

„Eine Ausbildung zum Fleischer habe ich nach drei Jahren abgebrochen. Dann war ich am Bau und in einer Betonspritzgussfirma als Hilfskraft. Ich kann eine ganze Menge und arbeite auch für wenig Geld. Hauptsache ich komme erst einmal rein in ein Unternehmen.“

Das erzählt mir ein junger Bursche, dem nach eigener Auskunft eine Frau die Fleischerkarriere versaut hat.

Nun bat er mich um Hilfe bei Bewerbungen als Bauhelfer und Hilfskraft im Garten- und Landschaftsbau. Ob eine neue Ausbildung für ihn denn in Frage käme, verneinte er entschieden.

Unsagbar viele Bewerbungen als Hilfskraft auf Bau und Garten mit jeweils speziellen und personalisierten Anschreiben als Initiativbewerbungen oder auf Stellenanzeigen folgten. Da es ja bekanntermaßen übermäßig viele Menschen gibt, die sich nur als preiswerte Hilfskraft verdingen können, zielte meine Beratung auf eine Berufsausbildung ab. Die Absagen, die telefonisch, schriftlich und per E-Mail bei meinem Kandidaten eingingen, überzeugten ihn von der Richtigkeit meiner Einschätzung.

Nachdem die finanziellen Belange mit der Familie geklärt waren, begann der kurze Bewerbungsmarathon um einen Ausbildungsplatz. Auch hier hagelte erst einmal Absagen. Dennoch: Das eine oder andere Vorstellungsgespräch sprang auch dabei heraus.

Eine bestimmte Firma, die einen Ausbildungsplatz als Betonbauer anbot, hatte es meinem Kandidaten ganz besonders angetan. Allerdings kam er hier nur auf Platz 2. „Das ist ja wie eine Bestattung erster Klassen“, meine mein Bewerber, als er das Schreiben in der Hand hielt. „Das kann nicht sein. Ich will Betonbauer werden!“ Da war er sich sicher. So sicher, dass er nach ein paar Tagen der Trauer mit seinem neuen Roller zum Betrieb fuhr um zu fragen, warum er nur auf Platz zwei geraten war.

„Gut dass Sie da sind. Wir wollten Sie heute noch anrufen. Der ausgewählte Kandidat ist abgesprungen. Sie haben den Ausbildungsvertrag, wenn Sie uns das noch einmal verzeihen können!“

Und wie er verzeihen konnte. Im Sommer begann die Berufsausbildung, die vielleicht sogar wegen ausreichender bestehender Vorkenntnisse verkürzt werden kann…

 

Mieses Anschreiben? Änderungen brachten langersehnten Job

„Bisher habe ich einige Absagen bekommen. Eingeladen hat mich bisher nur ein Betrieb. Schade eigentlich!“

Der Kfz-Mechatroniker war neu in der Beratung. Auf Nachfrage zeigte er mir sein zum Einsatz gekommenes Bewerbungsanschreiben. Es las sich so spannend und viel versprechend wie ein leer gefegtes Bahnhofsschließfach: „In der Vergangenheit habe ich stets unter Beweis gestellt, dass ich teamfähig und flexibel bin. Meine erlernten Fachkenntnisse konnte ich zur Zufriedenheit meiner Vorgesetzten einbringen und anwenden…“

Er hatte es ja gut gemeint. Allerdings sind die Begriffe teamfähig und flexibel derart abgenutzt, dass sie im Anschreiben keinerlei wirkliche Auskunft erteilen und nicht viel versprechend wirken. Mit „zur Zufriedenheit“ meinte der Bewerber, dass eben immer alles O.K. gelaufen war und es keinerlei Beschwerden gab.

Im Kapitel über die Zeugnissprache erfahren Sie sofort, dass die Vokabel „zufrieden“ nichts Positives zum Ausdruck bringt, sondern lediglich geringschätzig verwendet wird.

Nach 45 Minuten stand ein neues viel versprechendes Anschreiben, dem die exakten Fähigkeiten und Qualifikationen des Mechatronikers zu entnehmen waren. Flott und flüssig geschrieben lieferte es einen Appetizer, der auch gleich bei einer echten Bewerbung zum Einsatz kam.

Zwei Tage später kam der Anruf mit der Einladung zum Vorstellungsgespräch. Arbeitsbeginn war gleich eine Woche danach…

 

Tolles Anschreiben! Trotzdem hagelt es nur Absagen

„Gestern habe ich Post bekommen. Drei Absagen von den Senioreneinrichtungen“, erzählt die erfahrene Hauswirtschafterin mit erheblicher Führungserfahrung traurig. Die Dame hat ein Anschreiben, das sich wirklich sehen lassen kann.

Mit Bravour und rhetorischem Geschick sewrviert der Text ihre fachlichen Kenntnisse, Erfahrungen und soziale Qualitäten. Zugegeben: Das Bewerbungsanschreiben kommt recht frech und forsch daher, aber schließlich will sie sich ja von allen anderen Bewerberinnen unterscheiden.

Damit Sie mitreden können, füge ich nachfolgend den Text ein:

Das Auge isst mit: Bewerbung als qualitätsbewusste Hauswirtschafterin

Sehr geehrte Damen und Herren,

80 zufriedene Senioren können sich nicht irren: Logistik kann auch lecker sein! Mit meinem Händchen für außerordentliche Qualität in der Hauswirtschaft und umfangreichen Berufserfahrungen biete ich Ihnen heute meine Mitarbeit an. Nach 20 Jahren im Beruf kann ich mit Freude und Zufriedenheit behaupten, dass Hauswirtschafterin für mich genau der richtige Beruf ist. Stets konnte ich bei meinen bisherigen Arbeitgebern meine positive Einstellung zur Arbeit unter Beweis stellen.

Meine fachlichen Schwerpunkte sind umfangreich und entsprechen dem typischen Berufsbild. Ob beim Garnieren und Anrichten von Speisen, beim Decken des Tisches unter Berücksichtigung verschiedener Mahlzeiten, Gerichte und Anlässe oder bei der Erstellen von Speiseplänen unter Berücksichtigung der aktuellen Jahreszeit und des Marktangebotes: In allen Bereichen zeige ich Qualitätsbewusstsein und gleichbleibend hohe Leistungsbereitschaft. Schließlich isst das Auge bekanntlich ja mit.

Die Planung und Ausgestaltung von Festen geht mir ebenso leicht von der Hand wie die Erstellung von Arbeits- und Tagesplänen. Kenntnisse im Tablettsystem sowie Grundsätze der Arbeitsplatzgestaltung und der Warenwirtschaft sowie umfangreiches Fachwissen in der Personalhygiene runden mein Profil erfolgreich ab.

Pflichtbewusst bin ich und arbeite gerne. Auch wenn es um die Reinigung und Pflege von Küche und Wirtschaftsräumen geht, zeige ich Engagement, Fleiß und Qualitätsbewusstsein. Die Kenntnisse der HACCP-Richtlinien können Sie bei mir als selbst-verständlich voraus setzen.

Pünktlichkeit, Ehrlichkeit und freundlicher Umgang mit anderen Menschen sowie ein hohes Maß an Flexibilität sind für mich selbstverständlich.

Über eine Einladung zum persönlichen Gespräch freue ich mich sehr.

Mit freundlichem Gruß

P.S.: Über Geld können wir reden – über Qualität nicht, denn die sollte für alle einfach selbstverständlich sein!

Was scheint dieser Bewerberin, die übrigens beste Zeugnisse und eine perfekte Bewerbungsmappe versendet, zu widerfahren? Meiner Meinung nach kommt ihre Bewerbung für die anvisierten Jobs zu selbstsicher daher. Wenn eine Gastronomieleiterin diese Bewerbung bearbeitet, ahnt sie bereits beim Lesen, dass die Neue, wenn sie eingestellt wird, an ihrem Stuhl sägen kann.

Also, was antwortet sie der Bewerberin? Klar, sie sagt ihr ab. Und das liest sich dann so: „Zu unserem großen Bedauern müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir uns für eine andere Bewerberin entschieden haben, deren Profil verstärkt unseren Anforderungen entspricht. Selbstverständlich möchten wir an dieser Stelle keine Aussage über Ihre Qualifikationen…“

Übrigens: Solch eine Absage hat sie auch schon einmal bekommen auf eine Stellenanzeige, die lediglich Flexibilität, Teamgeist und eine abgeschlossene Berufsausbildung als Anforderungen nannte. Hier hat die Bewerberin dann gleich angerufen um nachzufragen, ob ihre Mappe überhaupt durchgesehen wurde.

Nach all diesen Erfahrungen kamen wir zum Entschluss ein Dummie-Anschreiben zu entwickeln, das nicht so sehr nach deutlichen Gehaltsforderungen ausschaut. Die Bewerberin sollte sich eben mit dem Text als preiswerte Mitarbeiterin darstellen. Hier kommt das Anschreiben „für Arme“:

Bewerbung als Hauswirtschafterin

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großer Freude habe ich Ihre Stellenanzeige im Internet gelesen. Nun bewerbe ich mich bei Ihnen, weil ich gerne wieder in meinem Beruf arbeiten möchte. Nach 20 Jahren weiß ich, dass Hauswirtschafterin für mich der richtige Beruf ist.

Meine bisherigen Arbeitgeber waren mit meinen Ergebnissen sehr zufrieden. Meine fachlichen Schwerpunkte entsprechen dem typischen Berufsbild. Ich kann garnieren, Speisen anrichten, Tisches unter Berücksichtigung verschiedener Mahlzeiten, Gerichte und Anlässe eindecken und Speisepläne erstellen. Das auch unter Berücksichtigung der aktuellen Jahreszeit und Marktangebot. In allen Bereichen zeige ich Qualitätsbewusstsein und hohe Leistungsbereitschaft.

Ich arbeite gerne und packe kräftig mit an. Die Planung und Ausgestaltung von Festen geht mir leicht von der Hand. Arbeits- und Tagesplänen erstelle ich gerne. Kenntnisse habe ich im Tablettsystem, die Grundsätze der Arbeitsplatzgestaltung und der Warenwirtschaft sowie Fachwissen in der Hygiene runden mein Profil ab. Pflichtbewusst bin ich auch. Wenn es um die Reinigung und Pflege von Küche und Wirtschaftsräumen geht, zeige ich Engagement, Fleiß und Qualitäts-bewusstsein. Die Kenntnisse der HACCP-Richtlinien können Sie bei mir voraus setzen.

Pünktlichkeit, Ehrlichkeit und freundlicher Umgang mit anderen Menschen sowie Flexibilität sind für mich selbstverständlich.

Ich freue mich sehr, wenn Sie mich zum Vorstellungsgespräch einladen.

Mit freundlichem Gruß

Was soll ich sagen? Mit diesen Zeilen kam die Frau zum Job!

 

Traurig über Jobverlust? Negative Gefühle blockieren

„Da habe ich ja weniger Netto als in meinem bisherigen Job. Wir haben immer gutes Geld verdient“, erklärt mir ein bestens qualifizierter Elektroniker, der gemeinsam mit zahlreichen Kollegen freigestellt wurde.

Alle Stellenanzeigen quittierte der Fachmann mit geringschätzigen Bemerkungen, die sofort deutlich machten wie sehr seine Identität durch den Jobverlust gekränkt und beeinträchtigt war.

Besonders schlimm für ihn war auch, dass er gemeinsam mit zahlreichen Kollegen gehen musste – der Betrieb wurde aufgelöst.

Es dauerte ungefähr fünf Monate bis er mit seiner Situation Frieden schließen konnte. Dann las er eine klitzekleine Stellenanzeige „Elektroniker gesucht! Bewerbungen telefonisch unter 08154711 erbeten“ und saß prompt einen Tag später im Vorstellungsgespräch. Der Arbeitsvertrag mit besten Konditionen folgte gleich.

Früher hätte er niemals auf so eine kleine zweizeilige Anzeige reagiert. „Da gibt es doch mit Sicherheit nichts zu verdienen“, wäre sein einziger Kommentar gewesen.

 

Qualität setzt sich durch! Vertrag trotz negativer Schufa

„Wenn das nix wird, dann habe ich die 32 € für Führungszeugnis und Schufa-Auskunft umsonst ausgegeben. Ich bin gespannt, ob die mich mit schlechter Schufa-Auskunft überhaupt einstellen“, war sich einer meiner Bewerber unsicher.

Und das zurecht! Schließlich erleben viele Menschen, die unrühmlich aufgefallen sind, dass derartige Einträge selbst einem erfolgreichen Abschluss eines Mietvertrages im Wege stehen.

Doch mein Bewerber überzeugte im Vorstellungsgespräch mit Sympathie, Redefreudigkeit, besten Führungsqualitäten und zuverlässigem Umgang mit hochwertigen durchaus geldwerten Produkten in der Vergangenheit. Niemals und zu keiner Zeit ergaben sich in der bisher Probleme, die einer Beschäftigung im Umgang mit Geld widersprachen.

Und es kam wie er es erhofft hatte: Er schnappte sich den Job…

 

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