Reden ist nicht Silber: Die Rolle der Kommunikation

„Warum sollten Sie das alles für sich behalten?“, frage ich meine Bewerber immer wieder, wenn sie mir erzählt haben, was sie fachlich und sozial alles so drauf haben.

Wie, Sie wissen nicht wie ich das meine? Ganz einfach: Nehmen Sie sich mal einen Zettel und schreiben Sie ganz genau alle Tätigkeiten auf, die Sie beherrschen. Bleiben Sie dabei nicht nur bei reinen beruflichen Dingen.

Ich bin mir sehr sicher, dass Sie nach drei bis vier Tätigkeiten erst einmal ins Stocken kommen. Das ist dann exakt der Moment, in dem Sie weiter nachdenken müssen. Lassen Sie einen normalen durchschnittlichen Arbeitstag Revue passieren. Schreiben Sie auf, was Sie zuerst getan haben. Was kam danach? Und was stand dann auf Ihrem Stundenplan? So erhalten Sie nach und nach immer mehr Auskunft über Ihre fachlichen Qualitäten. Wenn Ihnen zum letzten Job nichts mehr einfällt, dann schwenken Sie rüber in Ihren privaten Bereich.

Haben Sie schon einmal ein Haus renoviert. Oder saniert? Es gibt studierte Sozialforscher mit Diplom, Führerschein BCE und einer abgeschlossenen LKW-Mechatroniker-Ausbildung, die perfekt Fachwerkhäuser sanieren, Beton bauen und auch noch Schweißen können. Niemand beherrscht nur wenige Dinge. Jeder, glauben Sie mir das, jeder hat zahlreiche Fähigkeiten und Fertigkeiten, die auch beruflich eine gewichtige Rolle spielen können. Für Sie ist nur wichtig, dass Sie sich für diese Aufgabe ausreichend Zeit nehmen.

Also: Blatt Papier auf den Schreibtisch oder Küchentisch und aufschreiben, was geht!

Wenn Sie damit fertig sind, dann holen Sie bitte ein weiteres Blatt Papier.

Jetzt verlange ich von Ihnen, dass Sie darauf notieren wie Sie mit anderen Menschen umgehen. Sind Sie hilfsbereit? Knüpfen Sie gerne Kontakte und fällt es Ihnen leicht, auf andere fremde Menschen zu zu gehen? Wie verhalten Sie sich eigentlich bei Konflikten? Sind Sie kritikfähig? Können Sie Kritik einfühlsam und mit Bedacht austeilen? Oder beschließt der von Ihnen Kritisierte sofort zu kündigen oder sich das Leben aus zu hauchen?

Fragen wie diese sind es, die Sie auf dem zweiten Blatt Papier beantworten. So erhalten Sie auf dem ersten Bogen Ihre fachlichen Kompetenzen und auf den zweiten Blatt Ihre sogenannten sozialen Kompetenzen. Das kommt schon wirklich eine ganze Menge zusammen, wenn Sie richtig sorgfältig gearbeitet haben. Doch dieses Spiel ist noch lange nicht abgeschlossen. Dazu benötigen Sie noch weiter zwei Blätter zum Schreiben.

Auf dem dritten Blatt notieren Sie nun Ihre methodischen Kompetenzen. „Was soll das denn sein?“, werden sich einige von Ihnen fragen. Ganz einfach: Hierzu gehören die Methoden – die Art und Weise – wie Sie lernen oder bisher gelernt haben. Lesen Sie Bücher, Magazine und Zeitungen? Nutzen Sie das Internet um sich fachlich auf dem neuesten Stand zu halten? Oder haben Sie den Eindruck, dass Sie bisher am meisten durch Imitation gelernt haben, weil Ihnen Könner Dinge und Handlungen vorgemacht und gezeigt haben? All das gehört auf diese Seite. Auch hier bitte ich Sie ausgiebig nachzudenken. Gehen Sie nach innen und geben Sie sich ehrliche Antworten.

So haben Sie schon in drei Beziehungen etwas über sich heraus gefunden. Und noch immer fehlt ein Kapitel.

Auf der vierten Seite notieren Sie wie Sie mit sich selbst umgehen. Das nennt man persönliche Kompetenzen. Gehen Sie sich manchmal selbst auf die Nerven? Finden Sie sich nett oder hübsch? Oder fragen Sie sich morgens vor dem Badezimmerspiegel, was denn die fremde Frau/Mann in Ihrem Bad macht?

Besonders wichtig ist hier auch die Antwort auf die Frage, ob Sie sich manchmal selbst im Wege stehen. Gibt es bei Ihnen beliebte Denkweisen, fest gemauerte Glaubenssätze und äußerst präzise Handlungsanweisungen, die Sie vielleicht von Ihren Eltern oder Großeltern übernommen haben (z.B. Man geht nicht bei Rot über die Straße! Geh´ nicht mit fremden Männern mit! Das Leben ist wie eine Hühnerleiter: Kurz und beschissen!), die Ihnen im Alltag und besonders auf der Karriereleiter des Berufslebens immer wieder Schwierigkeiten bereiten? All das gehört auf den vierten Bogen Papier.

Wenn Sie diese vier Seiten beschrieben haben und sich dafür sagen wir einmal zwei Stunden Zeit genommen haben, dann wissen Sie sehr viel mehr über sich, als vorher.

Wissenschaftlich gesehen haben Sie Ihr sogenanntes Kompetenzprofil erstellt. Für Sie persönlich betrachtet, haben Sie Ihre innere Schatzkiste gehoben.

All diese Fähigkeiten, Qualitäten, Kompetenzen und Fertigkeiten, die auf den schnöden vier Papierblättern Platz gefunden haben (Sie können natürlich mehr als vier Blätter verwenden, wenn Sie sich mehr zu sagen haben!!!), sind Ihr Kapital.

Und das Beste daran ist: Dieses Kapital widersteht jeder Wirtschaftskrise. Selbst beim furchtbarsten Börsencrash wird der Wert Ihres Kapital nicht geschmälert. Wenn Sie ein aufgeweckter Zeitgenosse sind, dann wächst Ihr Kapital von Tag zu Tag an.

„Junge, mach Abitur und geh dann zur Uni. Was Du da in Deinen Kopf hinein gepflanzt bekommst, das kann Dir niemals keiner nehmen. Glaub mir das!“, versprach mir meine Mutter. Schon als musikverliebter Teenager mit ausgesprochener Vorliebe für Vergügen aller Art habe ich das geglaubt. Genau genommen war dies wohl das Wichtigste, was sie mir mit auf den Weg gegeben hat. Und: Damit hat sie bis zum heutigen Tag immer Recht behalten.

„Warum wollen Sie das für sich behalten?“, fragte ich eingangs dieser Seite. Nun wissen Sie genau wie ich das meine.

Von all Ihren Kompetenzen und Qualitäten müssen Sie berichten. Erzählen Sie im Bewerbungsprozess davon. Begeistern Sie im Vorstellungsgespräch mit allem was Sie können. Mit allem was Ihre Persönlichkeit ausmacht. Nichts davon steht Ihnen auf der Stirn geschrieben. Sie müssen kommunizieren, damit andere, die, die Ihnen den Job geben sollen, davon erfahren und sich einen optimalen Eindruck von Ihnen verschaffen können. Wenn Sie nicht gerne reden und schon gar nicht gerne über sich und Ihre Person sprechen, dann üben Sie das.

Ja, genau: Ich verlange von Ihnen, und dabei meine ich es wirklich sehr gut mit Ihnen, dass Sie Ihre Selbstdarstellung laut trainieren. Sie nahmen dazu einfach Ihre vielleicht vier Blätter Papier und legen los. Tun Sie es nicht, kommen Sie nicht aufs Treppchen. Der Bewerbungsprozess ist wie ein Formel 1-Rennen oder eine Fußball-Weltmeisterschaft: Es gibt nur einen Sieger. Und abgerechnet wird zum Schluss. Wenn Sie als erster am Ziel die karierte Flagge sehen, dann haben Sie gewonnen. Dann gehört der Job Ihnen.

Stichwort Fußball-Weltmeisterschaft: Haben Sie das Spiel, den Klassiker, Deutschland gegen England gesehen? Haben Sie das erste Tor von Miroslav Klose mitbekommen? Mit verzerrter Miene, mit beiden Ellenbogen und Armen hat sich dieser Spitzensportler energisch und völlig entschlussbereit gegen gleich zwei angelsächsische Verteidiger durchgesetzt. Er wollte nur das Eine: Ein Tor schießen! Als ihn beide zu Fall brachten, geriet sein Gesicht beinahe, verzeihen Sie mir die Vokabel, vor lauter Anspannung zur Fratze. Selbst auf dem Weg zum Rasen, im Fallen verlor er weder Anspannung noch Konzentration. Völlig souverän schoss er mit links (?) das Leder zwischen den Beinen des Keepers hindurch ins Netz.

So, genau so entschlussfreudig und energiegeladen wünsche ich mir Sie, wenn Sie als Bewerber im Gespräch von Ihren Qualitäten erzählen. Die Königsklasse, gewissermaßen die Champions League, haben Sie erreicht, wenn Sie andere von sich und Ihren Kompetenzen begeistern können. Dann schießen auch Sie ein Tor!

 

 

 

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