Mit Fleiß zum Preis: Controller schnappt sich den Job

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18 Akademiker waren auf der Jagd nach einem begehrten Job: Betriebswirt Tom war einer von Ihnen.

Meine Aufgabe an dieser Akademie für Marketing war es, diese hochqualifizierten Leute (mein akademischer Abschluss „Diplom“ war glaube ich der niedrigste Abschluss) auf die Fährte zum Job anzusetzen. Tom war interessant für mich, denn er wusste ganz genau was er vom Leben so wollte. „Ich will bei der Firma Mustersaft Controller sein. Herr Felske – dafür werde ich alles tun!“, deutete er gleich zu Beginn unserer gemeinsamen Zeit an.

Was er mit „alles tun“ meinte, verstand ich recht schnell. Und Tom legte los. Er bereitete zuerst eine Präsentation über den Planungsprozess eines Jahres eine Getränkeherstellers vor. In der Stellenanzeige war von dieser Anforderung die Rede. Ich war sein Publikum und wir beide feilten an dieser Präsentation bis sie einfach der Hammer war. Der Weg dahin war weit,  denn Toms Handschrift war die erste Hürde. Folglich bekam er Flipchartpapier en masse mit nach Hause. Dort hatte er die Aufgabe die Worte fein, sauber und ordentlich lesbar zu malen. Ja, malen, so nannte Tom das. Dann arbeiteten wir an der Augenführung, feilten so am Layout, am Einsatz unterschiedlicher Farben, an der Textauszeichnung (fett/unterstrichen etc.) suchten  und Zeichnungen heraus, die in Frage kamen. Dann trainierten wir die Feinheiten.

Inhaltlich und fachlich war der Planungszyklus perfekt dargestellt. Was wir brauchten war eine gehörige Portion Dramaturgie. Was sagt Tom, wenn er das erste Blatt zum Umblättern anfasst, was, wenn das zweite Blatt bereits zur Hälfte zu sehen ist und welche Worte wählt Tom, wenn das erste Blatt umgeschlagen ist und die nächste Seite komplett zu sehen ist. Wann und an welcher Stelle seines Vortrags geht er auf seine Zuhörer zu, welche Gesten kommen zum Einsatz, in welcher Reihenfolge soll der Blickkontakt zu seiner Zuhörerschaft sein? Fragen wie solche und noch viele mehr klärten wir in insgesamt sieben (!) Stunden. Dann kamen die möglichen Fragen im Vorstellungsgespräch an die Reihe. Tom hatte ich ausgestattet mit einer Liste von über 100 möglichen Fragen und Antworten. eines Tages traf mich fast der Schlag: Tom hatte zuhause auf einem DIN A4-Blatt oben die Frage handschriftlich aufgeschrieben und darunter seine eigene Antwort formuliert. Vor ihm langen also 100 beschriebene Blätter. Ich war völlig baff. Controller eben, die zählen auch gerne einmal halbe Erbsen, dachte ich mir. „Das möchte ich gerne mit Ihnen durchgehen“, kündigte Tom an und wir legten los. Zu jeder einzelnen Frage formulierten wir eine Antwort, die zuerst einen rhetorischen Effekt und dann erst die eigentliche Antwort brachte.

Beispielfrage: „Wie gehen Sie mit Kritik um?“

Beispielantwort: „Hohe Arbeitsqualität ist mir sehr wichtig. Kritik sehe ich als Tipp, Ratschlag und Hilfestellung. So kann ich dazulernen und besser werden.“

Nachdem alle Fragen in dieser Art und Weise durchgearbeitet waren übten wir im Rollenspiel. Nach einigen Durchgängen wurde Tom brilliant und für mich war die anfängliche Zeit des Fremdschämens vorbei. Die Bewerbung war unterwegs. Nach zwei Wochen flatterte die Einladung zum Vorstellungsgespräch in Toms Briefkasten. Er war begeistert – ich völlig gespannt, aber dennoch ruhig.

Als Bewerbungstrainer bibberte ich immer mit – das bleibt einfach nicht aus. Was ich aber wusste, war folgendes: Tom war spitzenmäßig vorbereitet. Wie ein Sportler stand er dermaßen gut „im Saft“, dass er es überhaupt nur kaum abwarten konnte zu zeigen, was er drauf hatte. Seine mentale Grundhaltung hatte sich gewandelt von „O mein Gott, was sag ich bloß?“ zu „Los, fragt mich, ich sag´s Euch!“ Das passiert nur bei bester Vorbereitung.

Ein Vierteljahr später nahm Tom die Arbeit als Controller bei diesem Getränkehersteller auf. Ich hatte nichts anderes erwartet.

So ist es eben: Ohne Fleiß keinen ….. !

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